Cazadero Diving Expedition
WELTREKORD IM HOCHGEBIRGSTAUCHEN UND ENTDECKUNG DES HÖCHSTGELEGENEN SEES DER WELT
Projekt Cazadero Diving Expedition 2016 hatte mehrere Ziele. Neben der Aufstellung eines neuen Welt- und Guinness-Rekords im Hochgebirgstauchen hatte die Expedition auch einen Forschungscharakter. Wir wollten diesen See erreichen, um seine Existenz zu bestätigen, seine tatsächlichen Ausmaße zu bestimmen und festzustellen, ob er salzhaltig ist. Weiterhin wollten wir die maximale Tiefe messen, herausfinden, ob darin irgendwelche Organismen leben, Wasser- und Sedimentproben entnehmen sowie mit GPS-Geräten die genaue Höhe der Wasseroberfläche feststellen. Während der Expedition suchte ich außerdem nach einem vermissten Touristen aus der Ukraine, der im März 2014 in der Gegend des Vulkans Olmedo verschwunden war.
Das Thema des Hochgebirgstauchens interessierte mich bereits seit mehreren Jahren. Von der Existenz dieses Gewässers erfuhr ich über das Internet. Beim Durchsehen verschiedener Webseiten stieß ich auf die ersten Satellitenaufnahmen dieses Sees. Damals beschloss ich, eine Expedition dorthin zu organisieren und die Möglichkeit zu nutzen, dort zu tauchen. Es sollte eine Entdeckungsreise werden – genau das, was ich am Tauchen am meisten liebe – und gleichzeitig wollten wir dazu beitragen, diesen Ort zu erforschen und der Öffentlichkeit mehr Informationen über die „weißen Flecken“ auf unserem Planeten zu liefern.
Hochgebirgstauchen ist bis heute nur wenig erforscht. Zumal die gängigen Hochgebirgstauch-Tabellen bei einer Höhe von 2400 m ü. M. enden, und nur sehr wenige Menschen Tauchgänge über 4000 m durchgeführt haben. Es handelte sich also um ein experimentelles Tauchen. Mit dem Tauchen in großer Höhe sind zahlreiche Probleme verbunden. Eine sehr gute Akklimatisierung und ein gutes Allgemeinbefinden vor dem Tauchgang sind grundlegend. Andererseits kann eine zu lange Akklimatisierung negative Auswirkungen auf den Hämatokritwert und das Sauerstofffenster haben. Eine übermäßige Lungenanschwellung erschwert den Gasaustausch während und nach dem Tauchgang. Weitere Gefahren sind die Möglichkeit einer Dekompressionskrankheit sowie Unterkühlung. Jegliche Hilfe auf dieser Höhe und in dieser Region wäre aufgrund der Unzugänglichkeit der Rettungsdienste unmöglich gewesen.
Bevor wir das Basislager auf 5300 m erreichten, verbrachten wir über eine Woche zur Akklimatisierung auf 4000 m Höhe. Auf dem Weg zum See selbst (5985 m ü. M.) errichteten wir ein Zwischenlager C1 auf 5720 m. Die Akklimatisierung war während der gesamten Expedition eines der Schlüsselelemente, um das Tauchen sicher durchführen zu können. Wir waren stark vom Wetter abhängig, das uns hoffentlich nicht daran hindern würde, den See zu erreichen.
Der See hatte eine längliche Form. Die Wasseroberfläche betrug nach Messungen etwa 25.000 Quadratmeter. Er befindet sich in einer Geländesenke. Auf dem Weg dorthin muss man einen Höhenunterschied bis auf 6010 m ü. M. überwinden. Das Wasser des Sees ist salzhaltig. Bei entsprechender Sonneneinstrahlung kann man anhand der Farbe des Wassers die Tiefe erkennen. Rund um den See befanden sich stellenweise Eisschollen sowie zwei größere Gletscher.
Unter Wasser blieb ich über 20 Minuten. Insgesamt verbrachte ich zuvor etwa 140 Minuten im Wasser, um die tiefste Stelle zu finden. Der Boden war flach, mit nur einer geringen Menge an Sedimenten. Unter der Sedimentschicht war der Seeboden steinig.
Bevor wir unseren See erreichten, passierten wir unterwegs vier weitere große Gewässer. Während der Trekkingtouren auf etwa 5000 m ü. M. entdeckte ich auch neu entstehende Seen, die sich durch das Schmelzen von Eisschollen bildeten. Seen in großer Höhe vergrößern sich im Laufe der Zeit, wenn sie regelmäßig mit Wasser gespeist werden. Die Bildung neuer Seen wird durch klimatische Veränderungen bestimmt. Einige von ihnen sind nur vorübergehend und hängen vom Auftreten höherer Temperaturen in den Sommermonaten ab.